Artikel auf 100%LiFE

In der Rubik “Renovation” wurde auf der Website 100%Life November 2018 ein Artikel über “Das Haus des Architekten” veröffentlich.

Wohnhaus Fritz-Reuter-Straße 10
Wohnhaus Fritz-Reuter-Straße 10 – Ansicht vom Garten aus

Eine Redakteurin und ein Fotograf des japanischen Webmagazins besuchten uns zu Hause. Lesen sie die Homestory in der deutschen oder englischen Übersetzung.

Wohnhaus Fritz-Reuter-Straße 10 - Salon
Der Salon mit Kamin

Artikel in der parTU

Alumni-Magazin der Techischen Universität Berlin
(Nr.11 Dezember 2006)

Gläserne Segel am Horizont

2008 soll das höchste Gebäude Europas in Moskau fertig sein. Matthias Dahlmann wird sagen können, er ist beim Bau dabei gewesen

Wie zwei überdimensionale Segel werden sich dereinst die beiden gläsernen Türme über das Häusermeer Moskaus erheben. Dann wird die Hauptstadt Russlands ein neues Wahrzeichen haben – den „Federation Tower“. Der Hochhauskomplex entsteht in Moskau-City, einem Stadtteil, der völlig neu gebaut wird – vergleichbar in etwa mit Berlins neuem Geschäftszentrum am Potsdamer Platz.

„Aber es wäre nicht Russland, wenn nicht alles etwas höher, größer und überdimensionierter wäre“, sagt Matthias Dahlmann. Der 43-Jährige, der an der TU Berlin Architektur studierte, leitet die Planung des Projektes im Berliner Büro von nps tchoban voss. Selbst die Aufzählung der Superlative, die mit dem Gebäude verknüpft sind, ist lang: Der „Federation Tower“ wird mit einer Höhe von 448 Metern nicht nur Europas höchstes Gebäude sein, sondern auch das derzeit vermutlich höchste Hochhaus der Welt, das aus Stahlbeton gebaut wurde. Er wird das höchst gelegene Schwimmbad Europas beherbergen und nicht nur gläserne Fassaden, sondern auch gläserne Dächer haben. Entworfen wurde der Turm von einer Architektengemeinschaft, dem Deutschen Peter Schweger und dem in Sankt Petersburg aufgewachsenen Sergei Tchoban. Sie waren mit ihren Entwürfen den anspruchsvollen, zuweilen extravaganten Vorstellungen des russischen Bauherrn am nächsten gekommen und hatten sich in einem internationalen Wettbewerb durchgesetzt.

Als kurz nach Baubeginn 2005 die Ausführungsplanung dann doch von Berlin aus durchgeführt werden sollte und ein Koordinator für die Bauphase gesucht wurde, schlug die Stunde für Matthias Dahlmann. Er bewarb sich und bekam den Job. Seit Juli 2005 arbeitet er nun als Projektleiter an der Realisierung des Federation Tower. Seine Kenntnisse als freiberuflicher und angestellter Architekt, die er beim Neubau oder der Sanierung von Schulen, Bürogebäuden, Banken und Wohnhäusern gesammelt hat, aber auch seine Erfahrungen in Russland kommen ihm dabei zugute. Das Kultur- und Handels-Zentrum „Berlinskij Dom“, das 2001 in Moskau fertiggestellt wurde, hatte er bis zur Ausführungsreife im Architekturbüro Faber und Krebs geplant. Das „Berliner Haus“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Partnerstädte Berlin und Moskau. „Meine berufliche Vielseitigkeit, die ohne meine fundierte Architekturausbildung an der TU Berlin jedoch undenkbar wäre, war ausschlaggebend dafür, dass die Entscheidung für die Projektleitung des Federation Tower auf mich fiel“, sagt Dahlmann. Die aktuelle Aufgabe ist so gigantisch, wie sie für eine Architektenkarriere perfekt ist. Für Dahlmann liegt die Faszination dieses Projektes aber nicht nur in der schieren Größe, sondern vor allem darin, dass der Komplex Teil einer städtebaulichen Planung ist, Moskau sich damit international positioniert und dass das Projekt mehr bedeutet als nur planen, koordinieren und bauen, sondern auch den kulturellen Austausch erfordert. „Schließlich arbeiten hier deutsche Architekten mit einem wirklich internationalen Planerteam – russischen Ingenieuren, amerikanischen Statikern, chinesischen Fassadenplanern und australischen Bauspezialisten – zusammen. Aus einem solchen komplexen Projekt ergeben sich wieder andere“, sagt Dahlmann. Diese Sicht machte ihn auch als Referent für das Gesprächsforum „Dialog: Berlin-Moskau“ interessant. Dort diskutierten Experten über das Projekt Großstadt und die Rolle von Architektur und Städtebau für die bilaterale Zusammenarbeit.

SYBILLE NITSCHE

Titel parTU 11/2006
Titelseite parTU 11/2006
Dieser Mann knüpft Verbindungen zwischen Berlin und Moskau:
der Architekt Matthias Dahlmann vor dem einstigen „CaféMoskau“ an der Karl-Marx-Allee in Berlin